Hans Theo Richter
1902 Rochlitz – 1969 Dresden
Mit seinen monografischen Zeichnungen, die an Werke von Käthe Kollwitz (1867-1945) erinnern, war Hans Theo Richter hauptsächlich in der ehemaligen DDR bekannt. Er skizzierte Menschen, vor allem Kinder, aus seiner Umgebung in einer Schlichtheit, die schon eine gewisse Art der Selbstverständlichkeit für die abgebildete Handlung voraussetzt. Meist zurückgezogen und einfach erscheinen die Menschen in seinen Werken. Seine durch den Stift vibrierenden Linien bringen Bewegung in seine Abbildungen, die eine gewisse Lebendigkeit ausstrahlen.
1919 begann er sein Studium an der Dresdner Kunstgewerbeschule zunächst unter Paul Hermann (1864-1946), Arno Drescher (1882-1971) und Georg Erler (1871-1950). Ab 1923 besuchte er dann die Klassen von Josef Goller (1868-1947) und Max Frey (1874-1944). Mitte der 1920er Jahre schrieb er sich an der Akademie der Bildenden Künste in Dresden ein, wo er zu Anfang die Klasse von Richard Müller (1874-1954) besuchte. Seinen Abschluss mache er 1933 als Meisterschüler von Otto Dix (1891-1969), der ihn und seine zukünftige Ehefrau 1933 porträtieren sollte.
Während seiner Studienzeit lernte er Georg Richter-Lößnitz (1891-1938) kennen, der ihm die Technik der Radierung in seiner Werkstatt bei- und näherbrachte. So entstand 1922 seine erste Radierung in dessen Werkstatt.
Mit seiner Hochzeit 1930 mit Gisela Hergesell, die gebürtig aus Breslau stammte, hielt er sich jährlich ebendort auf. Da das Ehepaar auch in Breslau gemeinsam ausstellte, ist es nicht verwunderlich, dass das Schlesische Museum der Bildenden Künste in Breslau seine ersten Werke ankaufte.
Zwei Jahre nach seiner Hochzeit trat er dem Deutschen Künstlerbund bei und erhielt seine erste Einzelausstellung in der Dresdner Galerie Neue Kunst Fides.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 trat er obligatorisch der Reichskulturkammer der Bildenden Künste bei, um weiterhin künstlerisch aktiv ausstellen zu können. Er war zwar auf zahlreichen großen Ausstellungen der Zeit vertreten, jedoch wurden seine Werke teilweise als „entartet“ eingestuft.
1935 besuchte er auf Einladung Gerhard Marcks (1889-1981) das erste Mal die Internationale Graphik-Ausstellung des Art Institutes in Chicago. 1938 erhielt er dort den ersten Preis für eine seiner Graphiken.
Da er auf Grund von körperlicher Untauglichkeit vom Kriegsdienst ausgeschlossen wurde, konnte er auch während der Kriegszeit weiterhin künstlerisch tätig sein. So wurde er 1944 durch Arno Drescher an die staatliche Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe nach Leipzig berufen. Bei einem Bombenangriff im Februar 1945 kam seine Frau ums Leben, ebenso wurde der Großteil seiner Werke zerstört.
Zwei Jahre nach Kriegsende übernahm er die Professur für Graphik an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden. Dieses Amt hatte er bis zu seiner Emeritierung 1967 inne. Während seiner Lehrjahre lernte Josef Hegenbarth (1884-1962), Wilhelm Lachnit (1899-1962) und seine zweite Frau Hildegard Fausten kennen.
Um sich künstlerisch weiterzubilden unternahm er zahlreiche Reisen, unter anderem 1956 mit Gerhard Marcks nach Amsterdam oder 1958 mit Otto Nagel (1894-1967) nach Moskau und Leningrad.
Seine Werke waren hauptsächlich auf Ausstellungen in der Ostzone und der DDR vertreten, sodass seine Bekanntheit in Westdeutschland erst in der heutigen Zeit mehr und mehr zunimmt.
