Oswald Poetzelberger
1893 Karlsruhe – 1966 Radolfzell am Bodensee
Oswald Poetzelberger hebt in seinen Werken die geistige Einsamkeit des Menschen hervor. Romantisch anmutend und gleichzeitig im Stil Neuer Sachlichkeit blicken seine Figuren meist melancholisch oder verklärt aus dem Bild heraus. Gedämpfte Farben und eine zwar zurückhaltende, dennoch teils dramatische Körperhaltung und Gestik erinnern an Werke El Grecos (1541-1614). Als pathetisch und ergreifend können Poetzelbergers Darstellungen beschrieben werden, inhaltlich am Alten orientiert und anders als die seiner Zeitgenossen, dennoch im Stil an der Moderne orientiert.
Als Sohn des Malers Robert Poetzelberger (1856-1930) und Neffe des Künstlers Leo Putz (1869-1940) wurde er schon früh künstlerisch beeinflusst und gefördert. Sein Studium absolvierte er bei Christian Landenberger (1862-1927) in Stuttgart. Nachdem er im Ersten Weltkrieg seinen Kriegsdienst leisten musste, war er hauptsächlich als Buchillustrator tätig, um so seinen Unterhalt zu finanzieren.
Mitte der 1920er Jahre zog er nach München. Dort angekommen und eingerichtet, schloss er sich der Münchner Künstlergenossenschaft an. Den Stil der Neuen Sachlichkeit machte er sich nun mehr und mehr zu eigen. Mit seinen Arbeiten genoss er Ansehen, vor allem während der Zeit des Dritten Reiches. Als Landesstellenleiter der Reichskammer der bildenden Künste in München bestückte er zum einen zahlreiche Ausstellungen, wie die Große Deutsche Kunstausstellung, zum anderen wurde seine Gemälde von der nationalsozialistischen Führung erworben.
Als Künstler zu der verlorenen Generation geltend geriet sein Werk nach Kriegsende in Vergessenheit und erfährt erst seit Ende des 20. Jahrhunderts wieder eine Rezeption.
