Jost Heyder

1954 Gera

Einblick

Öl /Platte     125 x 100 cm

Signiert. Datiert (19)91. Rückseite betitelt.

„Mich interessiert die Balance zwischen Figuration und Abstraktion {…}. Es entstehen Figuren, die miteinander zu tun haben, ineinander verstrickt sind. Marionetten, die allmählich eigenständig agieren wollen und davonrennen, heraus aus der scheinbar auf Ewigkeit bestimmten Abhängigkeit.“

Der Künstler Jost Heyder beginnt 1975 sein Studium der Malerei und Grafik an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst. Dort wird er von Arno Rink, Sieghard Gille, Bernhard Heisig und Hartwig Ebersbach unterrichtet. Ab 1982 wird er für zwei Jahre Meisterschüler bei Professor Gerhard Kettner an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden. Nach seinem Lehrauftrag 1987 an der Pädagogischen Hochschule Erfurt/Mühlhausen für bildkünstlerisches Gestalten war Jost Heyder Meisterschüler unter Professor Wieland Förster an der Akademie der Künste in Berlin. Mehrere Studienreisen ließen den Künstler ab 1981 die Welt bereisen. Cuba, Armenien, Georgien, Italien, Griechenland, Türkei und Namibia zählen zu seinen Reisezielen.

Ein Charakteristikum seiner Kunst stellen die selbstreflexiven Konstellationen in seinen Gemälden dar, die sich in seinen Bühnen- und Marionettenszenen widerspiegeln. Er legt nicht nur seine Schaffensprozesse offen, sondern wirft generelle Fragen über das Verhältnis des Künstlers und seines Werkes auf. Er lässt die Rolle zwischen Herrscher und Beherrschtem zwischen dem Künstler und seinen Marionetten wechseln und lässt die Frage aufkommen, ob der Künstler überhaupt noch über sein Werk bestimmen kann oder ob er von diesem bestimmt wird.

Immer bleibt er auch eine Marionette seiner eigenen Arbeit.”

Einblick

Der Maler gewährt dem Betrachter einen Einblick in den Schaffensprozess eines Kunstwerkes. Wie ein Zauberer gekleidet erhebt er den Pinsel. Sein Blick trifft den Betrachter, ganz so, als würde er ihm mitteilen wollen, welche Macht er selbst über das Werk hat. Sein Modell liegt nackt, halbsitzend, entspannt in einem Sessel flankiert von einem Hund. Hinter ihr bewegt sich eine tierische Marionette, von Fäden auf jeder Bildseite gezogen, an ihr vorbei. Aber auch deren Schaffensprozess lässt Jost Heyder in diesem Gemälde nicht aus. Er lässt den Betrachter am Bau einer Marionette im Hintergrund teilhaben. Der Künstler schafft es im “Einblick” dem Titel des Gemäldes vollkommen gerecht zu werden. Er lässt den Betrachter in das Atelier des Künstlers eintreten, gewährt ihm Einblick in die einzelnen Schritte seiner Arbeit. Man wird mitgerissen von der Geschäftigkeit des Moments und stellt sich die Frage, welche Rolle wird einem gegeben. Ist man nur Außenstehender und Beobachter oder übernimmt man eine Rolle im Gemälde selbst? Wird der Betrachter auch eine Marionette des Künstlers?

Literatur:
Ralf-Michael Seele (Hg.): Jost Heyder - Antlitz, Leib und Dialoge - Zeichen der Seele. Gemälde, Zeichnungen, Aquarelle; Städtische Galerie ada Meiningen, 2004, Meiningen