Max Nonnenbruch

1857 Viersen – 1922 München

Ein Modell im Atelier

Öl / Leinwand     ca. 71,5 x 44,5cm

Signiert. Datiert und betitelt.      M. Nonnenbruch. München. 1889. Ein Modell

erwähnt in: Friedrich von Boetticher: Malerwerke des neunzehnten Jahrhunderts: Beiträge zur Kunstgeschichte, Hofheim am Taunus, 1979, Bd.II-I, S.157 (dort als „Modellpause im Atelier“)

 

Der Künstler Max Nonnenbruch hatte schon als Jugendlicher den Wunsch sich der Malerei zu widmen. Mit dem Beginn seines Studiums an der Kunstakademie in Düsseldorf 1875 setzt er dieses Vorhaben in die Tat um. 1877 wechselt er an die Königliche Akademie der Bildenden Künste in München und führt dort sein Studium unter Wilhelm von Lindenschmidt bis 1879 weiter. Ab 1880 unternimmt er mehrere Studienreisen nach Frankreich, Italien, Belgien und England. Häufig wird er von seinen Studienkollegen Arthur Langhammer, Hans Olde und Claus Meyer begleitet. 1883 lernt er bei einer weiteren Studienreise die beiden Maler Gerhart und Carl Hauptmann kennen. Mit Vorliebe widmet er sich dem Portraitieren idealisierter Frauengestalten und stellt sie in jeglichen Lebenslagen dar.

„Ein Modell im Atelier“ befasst sich ebenfalls mit solch einer Frauengestalt. Ein fast intimer Einblick in die Räumlichkeiten seiner Arbeit. Aus einem, raffiniert gewählten Blickwinkel, ertappt man das vermeintliche Modell dabei, wie es sich interessiert eins seiner Werke, was sich noch auf der Staffelei befindet, anschaut. In ein leichtes Kleid aus seidigem Stoff gekleidet, einer roten Schürze umgebunden und einem Kopftuch beugt sich die junge Frau, halb auf die Armlehne des Stuhls vor sich gelehnt, relativ nah an das Gemälde. Ihr Blick ist auf eine Stelle auf dem Bildträger fokussiert und es scheint so als wäre sie in Gedanken versunken. Mit ihrer Kleidung passt sie sich in die Räumlichkeit ein. Die hohen Decken des Raumes und das halb verdunkelte Fenster geben dem Raum ein luftigen und dennoch gemütlichen Charakter. Wären da nicht die Bücher, losen Zettel, Gemälde und Pinsel vor der Staffelei auf dem Boden, könnte durch das Gepardenfell unter ihren Füßen und die Pflanzen im Hintergrund die Vermutung aufkommen man befinde sich in einem Wohnraum anstatt in einem Atelier, in dem gearbeitet wird. Max Nonnenbruch kreiert eine Momentaufnahme. Einen Moment des Wartens oder einen Moment des Begutachtens? Ist das fertig gerahmte Gemälde auf der Staffelei die Abbildung des Modells oder schaut sie sich ein anderes seiner Werke an? Macht sie sich ein Bild von seiner Malerei? Mit einem kleinen Einblick schafft es der Maler Fragen aufzuwerfen. Der eigene Blick wird gefesselt und man beginnt sich seine eigene Geschichte dazu zu entwerfen.

Literatur:

  • Z. Batowski: Nonnenbruch, Max in: Thieme-Becker Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, Bd. 25, E.A. Seemann Verlag, Leipzig, 1958
  • Friedrich von Boetticher: Malerwerke des neunzehnten Jahrhunderts: Beiträge zur Kunstgeschichte, Hofheim am Taunus, 1979, Bd.II-I