Josef Kohlschein . Die Heilige Cäcilie nach Raffael
Josef Kohlschein . Die Heilige Cäcilie nach Raffael
Josef Kohlschein . Die Heilige Cäcilie nach Raffael
Josef Kohlschein . Die Heilige Cäcilie nach Raffael
Josef Kohlschein . Die Heilige Cäcilie nach Raffael

Josef Kohlschein

auch Joseph Kohlschein der Ältere
1841 Warburg - 1915 Düsseldorf

Die Heilige Cäcilie nach Raffael

Bleistift auf Papier     72 x 48 cm

 

Verkauft

 

Josef Kohlschein erhielt 1880 für diese Zeichnung die Goldene Medaille der IV. Allg. Deutschen Kunstausstellung Düsseldorf.
Die Arbeit gilt als Hauptwerk des Künstlers.

 

Der aus Warburg stammende Künstler ist in erster Linie als Reproduktionsstecher bekannt geworden. 1841 geboren, ging er 1856 an die Düsseldorfer Kunstakademie und konzentrierte sich auf die Technik des Kupferstichs. Es existieren von ihm etwa 100 Kupferstichmotive nahezu ausschließlich mit christlichen Motiven, die er nach Bildern alter Meister und zeitgenössischer Künstler fertigte. Darüber hinaus hat Kohlschein gezeichnet, auch nach der Natur, wie Skizzenbücher belegen, niemals jedoch in Öl gemalt. Um ein Gemälde auf die Druckplatte zu übertragen, bedarf es zunächst der Umsetzung in eine Schwarzweiß-Zeichnung. Vorliegende Zeichnung nach dem Gemälde mit der Heiligen Cäcilie von Raffael, welches sich seit dem 19. Jahrhundert in der Galerie von Bologna befindet, steht in der Tradition der Düsseldorfer Nazarener um Wilhelm von Schadow und seiner Nachfolger. Cäcilie ist die Patronin der Musik und wird deshalb stets mit Musikinstrumenten dargestellt. In diesem Fall hält sie ein Portativ, eine Art tragbare Kleinorgel. Sie spielt allerdings nicht darauf, vielmehr scheint sie das Spiel unterbrochen zu haben, lässt das Instrument, das sie falsch herum hält, herabsinken und lauscht voller Verzückung dem Gesang der Engel. Dadurch haben sich schon Pfeifen gelöst und drohen aus dem Portativ heraus auf den Boden zu fallen, wo bereits ein Haufen anderer, teils beschädigter Instrumente liegt. Das Bild soll den Vorrang des von Gott ausgehenden Engelsgesangs vor der vom Menschen produzierten Instrumentenmusik symbolisieren: in Erhörung des himmlischen Gesangs müssen alle irdischen Instrumente verstummen. Es ist ausgeschlossen, dass Kohlschein nach dem Originalgemälde gearbeitet hat, doch was ihm genau als Vorlage diente, ist gleichfalls unbekannt. Die Zeichnung weist dasselbe Format auf wie der Kupferstich von 1879, nämlich 72 x 48 cm. Sie diente folglich der Ausarbeitung des Kupferstichs, allerdings nicht zur direkten Übertragung auf die Kupferplatte. Dafür mussten nach dieser Ur-Zeichnung zunächst noch mehrere Ausschnittkopien gefertigt werden, die dann der unmittelbaren Übertragung dienten. Diese sind nicht erhalten und dürften während des Arbeitsprozesses zerschlissen worden sein. Die Zeichnung jedoch stellte der Künstler in der Allgemeinen Deutschen Kunstausstellung in Düsseldorf 1880 aus und erhielt dafür eine Goldene Medaille. Es ist wahrscheinlich, dass sie zu diesem Zweck bereits mit dem noch vorhandenen Rahmen im Stil der Florentiner Renaissance ausgestattet wurde.