Der Hund in der Kunst

Einleitung

Max Arenz

Ein Museumsbesuch mit der Familie. Dauerausstellung, Sammlung des Museums, viele Epochen und Stile gemischt. Alle kommen auf ihre Kosten. Vielleicht mehr, vielleicht weniger. Um auch die Kleinsten der Gruppe mit einzubinden und ihnen den Museumsgang amüsant und schmackhaft zu machen, kommt der Vorschlag eines Spiels: Finde den Hund in der Kunst? Werden sie überhaupt fündig? Hund in der Kunst? Wie häufig kommt das denn vor? Und vor allem, auch Epochen übergreifend? 

Hundeelend”, “Hundsleben”, “hundemüde”, “hundsgemein” und “ auf den Hund gekommen”.  

Seit der Domestizierung des Wolfes ist der Hund an der Seite des Menschen. Ob als Gefährte, Bewacher, Accessoire, in der Sprache oder der Kunst, ist er immer gegenwärtig und präsent. 

Von der Redewendung “auf den Hund gekommen” – die sich vermutlich auf das Bild des Hundes am Boden von Geldtruhen bezog, der dort den Schatz bewachte und gleichzeitig den Besitzer ermahnen sollte die Truhe wieder aufzufüllen, um nicht “auf den Hund zu kommen” beziehungsweise nicht “ganz unten anzukommen” – bis hin zum Hund als hübsches Modeaccessoire wandelt sich die Bedeutung des Hundes von einem anfänglich negativen Bild mehr und mehr zu einem Positiven. 

Auch in der bildenden Kunst zeigt sich die Wichtigkeit des Hundes für den Menschen und dessen Bedeutung. 

Darstellung des Hundes – ein historischer Überblick

Mosaik

Teppich von Bayeux

Alfred des Coudres

Francis Barraud

Der Hund als Gefährte oder als Begleiter ins Jenseits; schon in archäologischen Funden der späten Eiszeit und prähistorischen Höhlenmalereien lassen sich Hunde finden. Auch in der griechischen und römischen Antike gehörte der Hund zu einer beliebten Abbildung und zeigt welche Rolle er für den Menschen dieser Zeit eingenommen hat. 
In Mosaiken, auf Vasen, als Tonfiguren und in Reliefs taucht er auf. Das früheste Zeugnis aus dieser Zeit ist das Mosaik des “Hausbewachers” in Pompeij. Im Eingang des Hauses wird der Besucher auf dem Boden durch ein zwar angeleinten, aber zähnefletschenden Hund begrüßt. In Angriffsposition stellt er sich “vor” die weiteren Wohnräume. “Cave Carnem” (lat. “Hüte dich vor dem Hund”) ist unter seinen Füßen zu lesen.  
Die Rolle des Beschützers des Hauses wurde ihm genauso zu Teil wie die Rolle des Gefährten bei der Jagd. Schon im 11. Jahrhundert finden sich auf dem Teppich von Bayeux hundereiche Jagdszenen. Es wird deutlich, dass die Beziehung Hund und Mensch und dadurch auch die Bedeutung des Hundes in der Gesellschaft mit der Zeit zunahm.  
Biblische und mythologische Szenen, Stadtansichten, Landschaften, Stilleben…In der Kunst lässt sich der Hund im Laufe der Zeit in jeglicher Art von Darstellung finden.  
Seine größte Rolle nimmt er ab dem Mittelalter in Jagdszenen ein. Als repräsentative Darstellungen auf aufwändigen Bildmedien, wie illustrierten Handschriften und Tapisserien wird er als Jagdbegleiter der Adligen gezeigt. Besonders in der Renaissance und im Barock wurde mit Rückgriff auf die Antike die Jagdszene, ob als repräsentatives Bild einer adligen Person oder bei der Darstellung mythologischer Figuren wie Diana, der Göttin der Jagd, zu einem wichtigen Bestandteil der Kunst.  
Zu dieser Zeit wuchs auch das Interesse am anatomischen Aufbau der verschiedenen Lebewesen. Somit ist es wenig verwunderlich, dass sich aus der Zeit der Renaissance und des Barock anatomische Studien des Hundes finden lassen. Besonders in Südeuropa kommen diese neben Hundeportraits häufig vor. Giovanni Battista Tiepolo (1696-1770) mit seinen Windspielen, Thomas Gainsborough (1727-1788) und seine Bulldogge und Adolph Menzel (1815-1905) lassen sich hier als Beispiel nennen.  
Das künstlerische Interesse am Hund und die ästhetische Herausforderung der detailgetreuen Darstellung seines Fells, des anatomischen Aufbaus und der Geschwindigkeit seiner Bewegung wuchs. Oft nahmen die Künstler ihre eigenen Hunde oder die der Auftraggeber als Modell.  

Teilweise sind die Namen der Hunde der Künstler überliefert worden. So weiß man das Adolph Menzels Wachtelhund “Selluri” hieß. Die Dogge Wilhelm Trübners (1851-1917) “Cäsar” und Max Liebermanns (1847-1935) Dackel “Männe” 

Aber nicht nur die ästhetische Herausforderung faszinierte die Künstler, sondern auch das Wesen des Tieres. Die Kommunikation der Hunde untereinander oder mit dem Menschen stellte ein neues Forschungsgebiet der Kunst dar. Ihre Mimik, Stellung des Körpers, der Augen, Ohren, des Kopfes, des Fells und der Rute verständlich wiederzugeben trat in den Vordergrund.  

Mit dem langsamen Wandel des Hundes zum “Haushund” und Mitbewohner des Menschen, änderte sich auch seine Stellung. Verbesserte Hygienebedingungen innerhalb und außerhalb des Hauses und eine festere Einbindung in die alltägliche Lebens- und Gefühlskultur machten ihn zu einem engen Gefährten des Menschen. Besonders ab Ende des Zweiten Weltkrieges wurde er durch das Anwachsen von Eigenheimsiedlungen in Vorstädten und auf dem Land zu einem Begleiter der Familie und Spielgefährten der Kinder. In Einpersonenhaushalten vielleicht sogar zu einem sozialemotionalen Ersatz des Partners. 

Da er sich durch all diese Eigenschaften narrativ und kompositorisch in jede bildnerische Situation als Staffage einpassen konnte und der Darstellung eine verlebendigende Wirkung verlieh, wurde und blieb der Hund bis heute ein beliebtes Motiv. So verwundert es auch nicht, dass er selbst in Werbelogos, wie dem von Francis Baurraud (1856-1924) “His Masters Voice”, auftaucht. 

Bedeutung, Symbol, Ikonographie

Peter Paul Rubens

Nicaise de Keyser

Franz Marc

Paul Gauguin

Der Hund steht als Symbol für den “besten Freund des Menschen”, für Treue und Wachsamkeit und für die Rolle des Wächters und Jägers. Im Laufe der Zeit hatte er selbst und seine Bedeutung jedoch weit mehr Rollen inne.  
Er galt nicht nur als Verkörperung der eigenen Funktionen, sondern symbolisierte auch den Stand, Charakter und das Temperament des Besitzers. Genauso wurde er auch vielen Heiligen als Begleiter zugeschrieben, wie den Heiligen Hubertus, Eustachius und Rochus. 

In der klassischen Zeit der griechischen und römischen Antike hatte der Hund gleich mehrere Aufgaben. Er galt als Begleiter von Hermes, dem Seelenführer und des Heilsgott Aeskulap. Mit seiner “Spürnase” als Führer durch die Nacht des Todes und des Heilsschlaf der Wiedergeburt. In der Figur des Kerberos, einer dreiköpfigen Hundefigur, als Bewacher der Höllenpforte.  
Im alten Ägypten verkörperte er auch den schakalköpfigen Totengott Anubis.  
In der Form des Gestirns “Sirius”, dem Hundegestirn, galt er als Garant der Auferstehung.  

In der Kunst des Mittealters und der frühen Neuzeit wurden dem Hund immer mehr Symbole zugesprochen. Er war nicht mehr nur Sinnbild für bestimmte Götter oder Heilige und ein Symbol für Treue und Wachsamkeit. Er symbolisierte ebenso Sicherheit, Spürsinn, Gehorsam, Macht, Verspieltheit, Dummheit, Melancholie, Feigheit, Armut und Unreinheit.  
Genauso stand er aber auch für rückhaltlose Glaubensbereitschaft und im Gegensatz dazu für die Verkörperung von hemmungslosem Zorn. 
Da er im Mittelalter auch dem Bannkreis der Hexen zugesprochen wurde, galten bestimmte Rassen, wie zum Beispiel der schwarze Pudel, als Symbol für den Teufel. Literarisch greift Johann Wolfgang Goethe diese Symbolik in seinem Werk “Faust” auf.  

Wünsche, Ängste und Erfolge des Menschen wurden ebenfalls auf den Hund projiziert. Der Wunsch nach der Unterwerfung der Natur spiegelt sich den meisten Jagdszenen wider. Der Mensch der mit Hilfe des Hundes niedere Tiere unterdrückt.  
Genauso lässt sich auch im Jagdhund der Wunsch der Abrichtung zum absoluten Gehorsam und nach Macht erkennen.  

In der Renaissance und im Barock tritt neben die Demonstration von Macht und Tradition auch der Wunsch nach Unterhaltung und Mode. Der Hund wird mehr und mehr zum modischen Accessoire der Frauen. In vielen Damenportraits dieser Zeit wird der Schoßhund eine beliebte Staffage. Doch steht er nicht nur für Modebewusstsein, sondern soll genauso eheliche Treue, Frömmigkeit und Gesetzestreue der Frauen symbolisieren.  
Auch zur Unterhaltung der Gesellschaft steuerte der Hund in Form des dressierten Schoßhundes bei.  
Bei Darstellungen junger Erwachsener lassen sich ebenfalls oft Hunde finden. Gute Erziehung und ein gutes Elternhaus werden so gekennzeichnet.  
In jedem Falle zeigt er in diesen Darstellungen die emotionale Bindung, wenn nicht sogar Abhängigkeit zwischen Mensch und Tier. Am deutlichsten kommt dieses Verhältnis in spielerischen Darstellungen mit Kindern zum Vorschein. Eine unbeschwerte, idealisierte Kindheit wird auf den Hund projiziert.  

In all dieser Symbolik weckt der Hund immer und immer wieder Assoziationen zu menschlichen (Un-) Tugenden und Gefühlen. Meist mit positiven Gefühlen und Situationen verbunden, wird der Hund nicht immer als treuer Begleiter des Menschen dargestellt. Genauso kann er als Inbegriff des Bösen stehen und die Kehrseite des menschlichen Daseins verkörpern.   
Martin Schongauer (1448-1491) zeigt in seinem Stich “Ecce Homo” wie der vom Leiden gekennzeichnete Christus dem Volk vorgeführt wird. Unterhalb seiner Füße befindet sich ein zähnefletschender Hund, der das Wesen der Peiniger Christi symbolisiert. 
Auch Otto Dix (1891-1969) hebt in seinem Gemälde “Streichholzhändler” die schlechte Seite der Menschheit hervor. Ein Kriegsversehrter mit amputierten Gliedmaßen sitzt an einem Hauseingang. Jeder vorübergehende Mensch schreckt bei seinem Anblick zurück, nur ein Dackel bleibt stehen. Er hebt sein Bein und pinkelt ihn an.  

Der Hund in der englischen und amerikanischen Malerei

Edmund Henry Osthaus

John Martin Tracy

Sir Edwin Landseer

Hunde waren und sind ein beliebtes Motiv in der bildenden Kunst. Vor allem in England, aber auch in Amerika, nahmen sie eine besondere Stellung ein.  

Der Hund war auch in England über Jahrhunderte hinweg der treue Begleiter des Menschen. Im späten 17. Jahrhundert waren reinrassige Hunde ausschließlich wohlhabenden Grundbesitzern und dem Adel vorbehalten. Sie wurden häufig als Gefährte auf Einzel- und Familienportraits abgebildet.  

Im 18. Jahrhundert wurden sie nach und nach zum eigentlichen Motiv der Kunst und repräsentierten den Stolz des Besitzers. Hier war nicht ihre Leistung, sondern ihr Aussehen ausschlaggebend. Verschiedene Rassen stachen bei diesen Darstellungen heraus. Vor allem Windhunde, Mastiffs, King Charles Spaniel, Mops, Bulldoggen, Bull Terrier, Foxhounds, Beagle und French Hound erfreuten sich der Beliebtheit. 

Im Übergang zum 19. Jahrhundert kam in England eine wissenschaftlichere Einstellung zur Tierhaltung auf. Die selektive Zucht der Hunde zur „Verbesserung“ der Bestände war in Adelskreisen weit verbreitet. Hunde wurden nun auch mehr und mehr in sportlichen Bereichen eingesetzt. Pointer und Setter kamen zu den beliebten Rassen dazu.  

Neben Darstellungen von Jagd- und Sporthunden kamen nun auch Portraits von reinrassigen Hunden und Haustierportraits.  

Vor allem in der Regierungszeit von Queen Victoria nahm der Hund in der englischen Malerei zu. Ihre Vorliebe für Hunde und die Hundezucht nahmen großen Einfluss auf das Kunstverständnis. Viele Hunderassen wurden unter ihr nach England importiert und fanden Platz in Portraits. Rassen wie Collie, Neufundländer, Bernhardiner und die deutsche Dogge wurden populärer. 

Aber auch ihr Hang zu Haustierportraits, in denen sie ihre Hunde in ihrem direkten Umfeld haben konnte, spiegelt sich im Kunstgeschmack der Allgemeinheit wider.  

Besonders der Künstler Sir Edwin Landseer (1802-1873) gewann durch den Einfluss von Queen Victoria und ihrer Sammelleidenschaft seiner Werke an Bedeutung. 

Im Übergang zum 20. Jahrhundert wurde das Thema des Hundes in der Kunst ein Thema der breiten Öffentlichkeit. Hundeshows und Artikel über Hunde berühmter Persönlichkeiten entfachten das Interesse.  

Parallel zu der Entwicklung in England spezialisierten sich in Amerika eine Handvoll Künstler, die aus Europa emigrierten, auf Darstellungen von Hunden. Sie brachten ihren Malstil aus Europa mit und setzten ihre Tradition in Amerika fort.  

Künstler wie Arthur Fitzwilliam Tait (1819-1905), John Martin Tracy (1843-1893) und Thomas H. Hinckley (1813-1896) zählten zu den bekanntesten Malern dieser Richtung. 

Aber auch Gustav Muss-Arnold (1858-1927), Edmund Henry Osthaus (1858-1928), Alexander Pope (1849-1924) und Percival Leonard Rosseau (1859-1937) kamen zum Ende des 19. Jahrhunderts hinzu. 

Im Gegensatz zu England allerdings orientierte sich in Amerika die Beliebtheit der Hunde nicht an dem Geschmack der Königsfamilie. Hier gab es keine Monarchie und Aristokratie. Reiche Persönlichkeiten, die in der Öffentlichkeit standen, wie Geraldine Rockefeller Dodge (1882-1937), beeinflusstem den Geschmack der breiten Masse und nahmen somit auch Einfluss auf den Hund in der Kunst. 

Rembrandt van Rijn

Rembrandt van Rijn

Der barmherzige Samariter 

Bei der Darstellung der Szene des barmherzigen Samariters befindet sich zu Füßen der Hauptszene ein Hund. Kackend. In Genredarstellungen holländischer Kunst des 17. Jahrhunderts häufiger zu finden. In Historienbildern, die als höchst eingestufte Kunstgattung gelten, eher weniger.  

Auch hier symbolisiert der Hund wahrscheinlich die niederen Instinkte der Menschen die im Gleichnis des barmherzigen Samariters auftauchen. Räuber die einen Mann ausraubten und schwer verletzt liegen ließen und ein Priester der an dem Verletzten vorbeilief.  

James Tissot

James Tissot

In James Tissots (1836-1902) Gemälde Croquet posiert eine junge Frau mit einem Croquet-Schläger. Vor ihren Füßen befindet sich ein kleiner Hund, der mit erhobener Schnauze, gespitzten Ohren und wedelndem Schwanz in Richtung der Frau schaut. Er betrachtet das Spiel und scheint Teil dessen zu sein.  

Ein Beispiel eines Schoßhundes, eines modischen Accessoires. Der auf Grund seines mangelnden Zweckes für die Zeit und Muße der Gesellschaft steht. 

Albrecht Dürer

Albrecht Dürer – Ritter, Tod, Teufel / Melancholia I / Der heilige Hieronymus im Gehäus 

Ein zu Füßen seines Herrn galoppierender Hund in Ritter, Tod, Teufel, ein schlafender Hund in Melancholia I und Der heilige Hieronymus im Gehäus. Gegensätzlicher könnte die Darstellung des Hundes in der dreiteiligen Stichreihe von Albrecht Dürer (1471-1528) nicht sein.  

Auf der einen Seite ein Hund der seinem Herrn gehorcht und ihm auf Schritt und Tritt folgt. Ihn begleitet und mit ihm jagt. Auf der anderen Seite ein schlafender Hund der Melancholia I, der im Gegensatz zu einem sich bewegenden Hund mit der Überwindung des Neides verbunden wird. 
Auch der schlafende Hund des Heiligen Hieronymus im Gehäus steht für die Überwindung einer negativen Eigenschaft, die der Zwietracht. Ein kleiner Hund schläft friedlich neben einem ruhenden Löwen. Beide beruhigt durch das helle Licht der hereinstrahlenden Worte des Herrn, die Hieronymus am Schreibtisch aufschreibt. 

Albrecht Dürer

Literatur:

  • Hyland, Angus / Wilson, Kendra: Hunde in der Kunst, DuMont Verlag, Köln, 2017 
  • Secord, William: Dog Painting – A history of the dog in the art, Antique Collector’s club Ltd., Woodbridge, Suffolk, 2009 
  • Schulze-Altcappenberg, Hein.-Th. / Dorn, Lydia Rosia (Hg.): Wir kommen auf den Hund – We go to the dogs. Werke aus fünf Jahrhunderten von Albrecht Dürer bis Dieter Roth. Eine Sommerausstellung im Kupferstichkabinett, Michael Imhof Verlag, Berlin, 2015