Emil Nolde. vor 1929

Emil Nolde um 1928

Emil Nolde. Exotische Blumen. vor 1956. Aquarell

Exotische Blumen

Emil Nolde. Segler und Rauch. 1910. Radierung

Segler und Rauch

Emil Nolde

1867 Buhrkall – 1956 Seebüll

Emil Nolde, ursprünglich Hans Emil Hansen, beginnt 1844 gegen den Willen seines Vaters eine Lehre als Holzbildhauer und Zeichner in der Sauermannschen Möbelfabrik und Schnitzschule in Flensburg, die er vier Jahre später erfolgreich abschließt.
Nach seinem Abschluss geht er auf Wanderjahre und verdient sein Geld in Möbelfabriken in München und Karlsruhe. Dort besucht er auch die Kunstgewerbeschule.
Ab 1890 arbeitet er für ein Jahr in einer Berliner Möbelfabrik.
Zwei Jahre später nimmt er eine Stelle als Fachlehrer für gewerbliches Zeichnen und Modellieren am Industrie- und Gewerbemuseum in St. Gallen an. Dort arbeitet er für fünf Jahre.
In dieser Zeit freundet er sich mit seinem Schüler Hans Fehr (1874-1961) an und fertigt erste Landschaftsaquarelle und Zeichnungen.
1898 bewirbt er sich an der Münchner Akademie der Bildenden Künste und wird unter Franz von Stuck (1863-1928) abgelehnt. Um sich künstlerisch weiterzubilden besucht er daraufhin die private Malschule von Friedrich Fehr (1862-1927) und Adolf Hölzel (1853-1934).
Ein Jahr später unternimmt er eine Reise nach Paris, wo er eigene Studien an Objekten im Louvre anfertigt und Kurse an der Académie Julian besucht.
1900 reist er nach Kopenhagen und mietet sich dort ein Atelier, in dem eine frühe Folge religiöser Bilder entsteht.
In den beiden Folgejahren verbringt er seine Sommer im Fischerdorf Lild Strand an der Nordküste von Jütland. In diesen Urlauben fertigt er hauptsächlich Zeichnungen von Strandläufern, Nachtwandlern und seltsamen Naturwesen an.
1902 heiratet er die Schauspielerin Ada Vilstrup (1879-1946). Im Zuge dieser Hochzeit legt er seinen Nachnamen „Hansen“ ab und nennt sich von diesem Zeitpunkt an „Nolde“, nach seinem Geburtsort.
Beide siedeln nach Berlin um.
1905 gibt er seine erste Berliner Ausstellung im Kunstsalon Paul Cassirer (1871-1926).
Anfang 1906 tritt er der Künstlervereinigung „Die Brücke“ bei. Da er sie in „Verein jungdeutscher Künstler“ umbenennen will und dabei auf Gegenwehr stößt, tritt er 1907 wieder aus.
Diesem Austritt folgen einige erfolglose Versuche der Gründung einer eigenen Künstlergruppe.
1908 tritt er schließlich der Berliner Secession bei.
Zwei Jahre später unternimmt er eine Reise nach Brüssel, bei der er unter anderem James Ensor (1860-1949) in Ostende besucht.
Auch wird er im selben Jahr wegen einer Auseinandersetzung mit Max Liebermann (1847-1935) aus der Berliner Secession ausgeschlossen, tritt aber im Folgejahr der Neuen Sezession bei.
Seine bis dahin entstandenen religiösen Werke finden nun große öffentliche Aufmerksamkeit, die sowohl in Bewunderung als auch in Kritik mündet.
Vor Beginn des Ersten Weltkrieges unternimmt er eine längere Reise über Moskau, Sibirien, Korea, Japan und China nach Deutsch-Neuginea. Seine Rückkehr wird durch die Kriegsanfänge erschwert. Dennoch kommt bei dem Künstler eine große Begeisterung für den Weltkrieg auf.
Nach Kriegsende tritt er 1919 dem Berliner Arbeitsrat für Kunst bei.
1920 erhält Nolde die dänische Staatsbürgerschaft, da sein aktueller Wohnort, Utenwarf, durch eine Volksabstimmung zum dänischen Gebiet erklärt wurde.
Weitere Studienreisen führen ihn 1924 nach Venedig, Florenz, Zürich und Wien.
1927 beginnt er mit dem Bau seines Wohn- und Atelierhauses in Seebüll, das er nach eigenen Entwürfen baut. Auch wird ihm in diesem Jahr die Ehrendoktorwürde der Universität Kiel verliehen.
Zwei Jahre später siedelt er erneut nach Berlin über.
1931 wird er in die Preußische Akademie der Künste aufgenommen und veröffentlicht den ersten Band seiner Autobiografie „Das eigene Leben“. Den Vorzugsausgaben legt er kleine Aquarelle bei, die heute als Beginn seiner Werkserie gesehen werden und den Titel „ Angemalte Bilder“ erhielten. Sie dienten vermutlich als Vorlage für spätere Gemälde. Er selber jedoch formt nach Ende des Zweiten Weltkrieges die „Legende“, dass diese Aquarelle während der Zeit der Verfolgung von 1938-45 im Verborgenen entstanden seien.
Mit Machübernahme der Nationalsozialisten steigt seine persönliche Wiedererkennung mit der Ideologie der Partei, sodass er 1934 in die Nationalsozialistische Arbeitsgemeinschaft Nordschleswig (NSAN) eintritt. Auch in seiner Kunst zeigt sich diese politische Ausrichtung dieser Zeit. Mehr und mehr kehrt er sich von christlichen Motiven ab und widmet sich vermehrt nordischen Szenen und Mythologien.
1935 wird der Großteil seiner Grafiken, rund 455 Blätter, durch den Folkwang-Museumsverein in Essen gekauft.
Trotz seiner politischen Ausrichtung und stetiger Bemühung um Anerkennung durch hochrangige nationalistische Parteifunktionäre wird sein gesamtes Werk 1937 beschlagnahmt. Auch ist er mit 33 Arbeiten auf der Ausstellung „Entartete Kunst“ in München vertreten.
Die stetige Loyalität-Bekundungen und schriftlichen Anerkennungsversuche bringen ihm die Rückgabe seiner Werke ein.
Auch dieser Weltkrieg löst bei Nolde große Begeisterung aus.
Wegen zu hoher Einkünfte, die 1941 offen gelegt werden, wird er im selben Jahr aus der Reichskunstkammer ausgeschlossen, womit Verkaufs-/Ausstellungs- und Publikationsverbot einhergehen. Sowie der fehlende Anspruch auf Malmaterial.
1942 wird er in Seebüll von seinem Malerkollegen Dieter Hohly (1915-1944) besucht.
Bislang von Bombenangriffen verschont, wird 1944 seine Berliner Atelierwohnung ausgebombt, sodass viele seiner eigenen Werke, aber auch seine Sammlung, die Werke von Paul Klee (1879-1940), Wassili Kandinsky (1866-1944), Oskar Kokoschka (1886-1980), Lyonel Feininger (1871-1956) und Ernst Josephson (1851-1906) beinhaltete, zerstört werden.
Nach Kriegsende wird er 1946 im Entnazifizierungsausschuss in Kiel entlastet, da die Ablehnung seiner Kunst durch den nationalistischen Staat als „Absage gegen das Regime“ gewertet wird.
In seinen Memoiren schreibt Emil Nolde seine Rolle in der Zeit des Dritten Reiches um und schafft für sich die Rolle eines Opfers des Regimes.