Hans Ticha
*1940 Bodenbach
Als „Pop-Art“-Künstler der DDR experimentiert er mit leuchtenden, blockartigen Farben und geometrischen Formen. Seine Kunst erinnert an Stilelemente der westlichen Pop-Art, die er zu Beginn seiner Tätigkeit nicht kennen konnte. Formale Klarheit macht seine Plakate, Druckgrafiken, Zeichnungen und Illustrationen aus. Mit einer präzisen Malweise und gekonnt gesetzter Ironie betrachtet er Themen aus Politik, Sport und Unterhaltung kritisch und gleichzeitig humorvoll.
Der Mensch als zentrale Figur seiner Werke wird oft mit absurd großen Händen und kleinen Gesichtslosen Köpfen dargestellt. Auf Grund dieser meist runden Figuren wurde er von dem befreundeten Grafiker Herbert Sandberg (1908-1991) als „Kugelist“ bezeichnet.
1958 beginnt er sein Pädagogik-Studium an der Karl-Marx-Universität in Leipzig. Vier Jahre später nimmt er eine Lehrstelle für Kunsterziehung und Geschichte an. 1965 fängt er erneut ein Studium an. An der Hochschule für bildende und angewandte Kunst in Berlin besuchte er die Klassen der Malerei und Gebrauchsgrafik von Kurt Robbel (1909-1986), Werner Klemke (1917-1994), Arno Mohr (1910-2001) und Klaus Wittkugel (1910-1985).
Nach seinem Abschluss 1970 war er als freischaffender Maler und Buchillustrator in Berlin tätig.
Bekannt wurde er für seine sportlichen Motive. Politische Werke, die er bis zum Ende der DDR unter Verschluss hielt, gehörten ebenso zu seinem Oeuvre.
Abbildungen in Zeitungen und das politische Geschehen inspirierten ihn zu seinen Darstellungen.
In seinem Frühwerk, das in die 1960er Jahre verortet werden kann, finden sich vor allem maritime Motive mit Booten, Fischern und Badenden am Ostseestrand. In den darauffolgenden Jahren widmete er sich hauptsächlich sportlichen Themen, in denen er anonymisierte, rund geformte Menschen während sportlicher Wettkämpfe darstellte. Kritik an der damaligen DDR-Sportpolitik brachte ihn spätestens durch sein Werk „Mannschaft“ (1975) nicht nur beim Sportbund in Verruf. Eine gesichtslose Fußballmannschaft in abstrakter Weise dargestellt zeigt seine Ablehnung des Realismus und der Gleichschaltung der Sportler. Diese Arbeit wurde bei der großen DDR-Ausstellung in Dresden 1975 in einem separaten Raum ausgestellt, um so vermutlich den Blicken der politischen Größen verborgen zu bleiben.
Seine politisch kritischen Bilder, die sich deutlich gegen das SED-Regime äußern, fertigte er ab Ende der 1970er Jahre meist im Verborgenen. Erst nach der Wende wurden diese Werke bei der Biennale in Venedig dem Publikum öffentlich gemacht.
Mit dieser Zeit einhergehend wurden seine politisch kritischen Arbeiten weniger. Kommerz und die Werbewelt des Westens rückten in den Fokus. Aus Sicht eines „Ossis“ überzeichnete er Plakate und Werbeanzeigen.
Ticha ist jedoch nicht nur für seine malerischen Werke bekannt, sondern auch für seine Illustrationen und Grafiken. In der DDR arbeitete er für viele der größeren Verlage und zählte dadurch zu den gefragtesten Illustratoren und Grafikern Ostdeutschlands. Vor allem literarische Kurzformen, wie Lyrik, Fabeln und Erzählungen bekamen seine Aufmerksamkeit.
