Jörg Immendorff. Heuler. 1984. Acryl, Dispersion und Linolschnitt. 120 x 120cm

Heuler

Jörg Immendorff. Einarmiger Adler. 1995.

Einarmiger Adler

Jörg Immendorff. Ohne Titel. 1984. Acryl, Dispersion und Linolschnitt. 120 x 120 cm

Ohne Titel

Jörg Immendorff. Dr. Baselitz und Dr. Immendorff. 1998. Farbserigrafie.

Dr. Baselitz und Dr. Immendorff

Jörg Immendorff

1945 Bleckede – 2007 Düsseldorf

Jörg Immendorff, einer der bedeutendsten Künstler der Nachkriegszeit, begann seine künstlerische Ausbildung mit einem Studium ab 1963 an der Kunstakademie in Düsseldorf. Anfangs studierte er für kurze Zeit Bühnenkunst unter Theo Otto (1904-1968) bis er schließlich 1964 in die Klasse von Joseph Beuys (1921-1986) wechselte.
1965 lernte er die Künstlerin Chris Reinecke (*1936) kennen. Gemeinsam gründeten sie das anarchistische Aktionsprojekt „LIDL“, das sich am Kontext der Studentenunruhen und Fluxus-Bewegung orientierte. Mit neodadaistischen Kunstaktionen zwischen 1968-70 verbanden sie politische und künstlerische Arbeit. Bei einer der ersten Aktionen band sich Immendorff einen schwarz-rot-goldenen Klotz ans Bein und lief damit vor dem Bundestagsgebäude auf und ab bis er von der Polizei festgenommen wurde, um so das Durchbrechen der Bannmeile zu symbolisieren. Auf Grund solcher provokanter Aktionen wurde er schließlich 1969 von der Kunstakademie verwiesen.
1971-80 war er als Kunstlehrer an einer Düsseldorfer Hauptschule tätig, bei der er mit seinen Schülern in Galerien ausstellte. Der Kurator Harald Szeemann (1933-2005) wurde so auf ihn aufmerksam und lud ihn 1972 zur Teilnahme an der documenta 5 in Kassel ein. Im Folgejahr trat er der maoistischen Partei KPD/AO bei.
1976 war er bei der Biennale in Venedig gemeinsam mit Renato Guttuso (1911-1987) vertreten. Dort lernte er den, in der DDR lebenden Künstler, A.R. Penck (1939-2017) kennen. Gemeinsam gründeten sie ihr Aktionsbündnis Penck mal Immendorff – Immendorff mal Penck. 1977-83 entstand aus diesem Zusammenschluss der Bilderzyklus Café Deutschland, mit dem sie Bezug auf die Teilung Deutschlands durch die Mauer nahmen und sich kompositorisch an Guttusos „Caffé Greco“ (1976) orientierten. Dieser Zyklus machte Immendorff bekannter und verhalf ihm zu einigen Museums-Ausstellungen. 
1982 nahm er an der documenta 7 teil und nahm eine Gastlehrtätigkeit an der Kunstakademie in Hamburg an. Außerdem lehrte er an der F+F-Schule für Kunst und Mediendesigns in Zürich und an der Kunstakademie in Trondheim bis 1983.
1984 eröffnete er in Hamburg die Künstler-Kneipe La Paloma, in der er eigene Werke und Werke von Beuys, Penck, Markus Lüpertz (*1941) und Georg Baselitz (*1938) ausstellte.
Ab 1986 entwarf er einige Bühnenbilder für Opern für Festspiele in Salzburg. Unter anderem für„Elektra“ von Richard Strauß (1986), „The Rake’s Progress“ von Igor Stravinsky (1994) und „Die Nase“ von Dimitri Shostakovich (2002).
1989-92 hatte er Professuren an der Frankfurter Städelschule inne und 1996 an der Kunstakademie in Düsseldorf. 1997-2002 unterrichtete er auch in der Volksrepublik China.
1997 wurde er zum Mitglied der Europäischen Akademie der Wisschenschaft und Künste in Salzburg ernannt. Im Folgejahr erhielt er den Verdienstorden der BRD. 2006 den Kaiserring der Stadt Goslar.
Sein Werk wurde von politischen und gesellschaftskritischen Inhalten geprägt und orientierte sich anfangs stark an der Ausrichtung von Beuys.
Häufig taucht die Figur des Affen auf, die das bedeutendste Tier in seiner Bildwelt darstellt. Als Symbol für die Ambivalenz der Künstlerexistenz und der Gratwanderung zwischen Überzeugung und Selbstzweifel steht der Affe für das Alter Ego des Künstlers.
Mit der Diagnose seiner degenerativen Nervenerkrankung (Amyotrophe Lateralsklerose) verändert sich seine Bildwelt. Das rätselhafte motivisch verschleiernde bis drohende seiner Krankheit wird vorherrschend.