Franz Seraph von Lenbach

1836 Schrobenhausen – 1904 München

Portrait eines jungen Mädchens

Öl /Leinwand     Durchmesser ca. 30 cm

Signiert und Datiert. F.Lenbach 1897

Franz Seraph von Lenbach, 1836 in Schrobenhausen geboren, widmet sich, nach einer abgebrochenen Maurerlehre, einer Bildhauerlehre bei Anselm Sickinger und dem Tod seines Vaters 1852 der Malerei. Er beginnt ab 1853 ein Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München und ist dort Schüler unter anderem von Hermann Anschütz und dem Historienmaler Karl Theodor von Piloty. Ab Beginn seines Studiums verbringt er die Sommer für Studienzwecke mit seinem Studienfreund Johann Baptist Hofer im nahe gelegenen Aresing. 

Nach einer Professur an der Großherzöglichen Kunstschule in Weimar entschied Lenbach sich 1862 weitere Studienreisen nach Südeuropa zu unternehmen. Von dem Künstlermäzen Adolf Friedrich von Schack finanziert, reiste er nach Italien um dort im Auftrag von Schacks Kopien der alten Meister anzufertigen. Bei dieser Reise entdeckte er seine Neigung zur Malerei der Renaissance und des Barocks, für Künstler wie Rembrandt, Rubens und Tizian. Er konzentrierte sich ab diesem Zeitpunkt hauptsächlich auf Portraits und hielt sich bei der Ausführung seiner Malerei bewusst an den Stil der alten Meister, um die Bedeutung der Portraitierten zu steigern und hervorzuheben. 

Nach Gründung einer Ateliergemeinschaft in den 1870er Jahren mit Hans Makart zählte Lenbach zu den gefragtesten Malern seiner Zeit - er porträtierte auch den Reichskanzler Otto von Bismarck und nach dem Erhalt seines Adelstitels 1882 auch Papst Leo XIII. . - Durch diese Erfolge seiner Portraitmalerei galt Lenbach als „Geschichtsschreiber seiner Zeit“. 

Das „Portrait eines jungen Mädchens“ zeigt Lenbachs hervorragendes Einfühlungsvermögen bei Portraits und dessen Vorliebe für die Kunst der alten Meister. Das Kopfbild eines kleinen Mädchens wird vom Künstler so in Szene gesetzt, dass sofort die strahlend blauen Augen des Kindes auffallen. Durch deren Kombination mit ihren roten wallenden Locken behält das Mädchen das, für ein Kind dieses Alters typische Kindliche und Wilde. Auf den zweiten Blick jedoch erschafft Lenbach eine ältere und würdevolle Ausstrahlung: Das Mädchen blickt den Betrachter ruhig und überlegt an. Dieses Vereinen verschiedener Eigenschaften eines Kindes zu einer Einheit in einem Portrait und dessen Einfangen, kann mit den Kinder-Portraits von Rubens verglichen werden. Lenbach interpretiert den Stil der alten Meister für sich neu und setzt ihn mit Bravour um. Ihm gelingt mit diesem Gemälde ein gelungenes Beispiel seines Könnens.

 

Literatur:

  • Baranow, Sonja / Beck, Rainer: Lenbach; in: Münchner Maler im 19.Jahrhundert, 3.Bd., Verlag F.Bruckmann KG, München, 1982