Josef Engelhart

1864 Wien – 1941 Wien

Weiblicher Akt

Aquarell /Papier auf Karton     87,8 x 39,3 cm

Signiert und Datiert Engelhart / (19)19

Mit einem Studium ab 1882 an der Akademie der bildenden Künste in Wien und in München, sowie Reisen nach Paris 1891 und Spanien 1893 prägte Josef Engelhart seinen Stil. Beeinflusst von den dort gelernten und gesehenen neuen Strömungen zählte er schnell zu den führenden Personen der Wiener Kunstszene und gründete unter anderem mit Gustav Klimt, Koloman Moser und Carl Moll die Vereinigung bildender Künstler Österreichs Secession. Seine Gemälde sind geprägt von einem, trotz der Einflüsse des französischen Impressionismus - oder gerade deswegen? - , konservativem Naturalismus, den er durch das Spiel mit Licht und Farbe zum Teil hervor- und aufhebt und somit seinen Gemälden realistische Züge gibt. Menschliche Darstellungen faszinieren ihn am meisten, sodass sie das hauptsächliche Motiv seiner Gemälde darstellen. Im Einfluss des impressionistischen Stils versucht er den Menschen in verschiedenen Lebens- und Stimmungslagen wieder zu geben und versucht ihm dadurch eine besondere Rolle zu kommen zu lassen.

Josef Engelhardt

Sein Aquarell „ Weiblicher Akt“ ist ebenfalls ein Ausdruck dieser Faszination des Menschen. Obwohl Engelhart nicht viel preisgibt vom Körper des Modells, da es trotz komplett nackter Darstellungsweise angezogen wirkt, strahlt das Bild eine große Spannung aus. Das Modell tritt in direkten Kontakt mit dem Betrachter und zieht ihn in ihren Bann, hält einen mit ihren Blicken fest und kommuniziert. Eine eigentlich sehr stille Darstellung, die trotzdem viele Worte spricht.  Auch durch sein gekonntes Ausleuchten des Raumes, sein spielen mit der Farbe und den Hell-/Dunkelkontrasten setzt er das doch recht einfache Motiv so in Szene, dass der Betrachter nicht einfach weggucken kann. Man fühlt sich angesprochen. Engelhart schafft es durch seine realistische und naturalistische Darstellungsweise der Frau das Gefühl aufkommen zu lassen, dass man sich an seiner Statt befinden würde. Man nimmt seine Position ein und bekommt den Eindruck sich im gleichen Raum zu befinden wie das Modell selbst.

Literatur:
Engelhart, Josef: Ein Wiener Maler erzählt - Mein Leben und meine Modelle, Wilhelm Andermann Verlag, Wien, 1943