Kurt Schwitters

1887 Hannover – 1948 Kendal

Dreieck kreist Kirche (Dorf und Welt)

1918

Kohle auf Papier  19 x 11,7 cm

Monogrammiert

Wird in das WVZ mit der Kat.-Nr. 341a aufgenommen.
Expertise vom 07.10.2022 von Dr. Isabel Schulz, Sprengel Museum.

 

Kurt Schwitters ist einer der bedeutendsten Künstler der Moderne. Mit seinem Verständnis der Kunst vereinte er die Person des Künstlers, dessen Leben und die Kunst an sich zu einem Gesamtkunstwerk.

Seine ersten künstlerischen Erfahrungen machte er 1900 bei einer Reise mit seinem Vater zur Weltausstellung in Paris.
1908-09 begann er sein Studium an der Kunstgewerbeschule in Hannover unter Richard Schlösser (1879-1962). Im Anschluss schrieb er sich an der Königlichen Sächsischen Akademie der Künste in Dresden ein und studierte dort unter Carl Bantzer (1857-1941), Gotthard Kuehl (1850-1915), Emanuel Hegenbarth (1868-1923) und Hermann Dittrich (1868-1946).
Im Jahr seines Wechsels an die Akademie der Künste reiste er das erste Mal in das Künstlerdorf Willingshausen, eine der ältesten Künstlerkolonien Europas, die durch Gerhardt Wilhelm von Reutern (1794-1865) und Ludwig Emil Grimm (1790-1863) 1824 gegründet wurde.
1911 nahm er das erste Mal an einer Ausstellung im Kunstverein Hannover teil. Außerdem bewarb er sich an der Berliner Akademie der Künste. Nach vier Wochen Probezeit wurde er jedoch als „untalentiert“ entlassen.
Nach Abschluss seines Studiums 1915 begann er sich dem expressionistischen Stil zuzuwenden und seine Art der Abstraktion zu entwickeln. 1917 schrieb er sich erneut für ein Studium ein an der Königlichen Technischen Hochschule in Hannover für den Studiengang Architektur.
1918 entstehen eine Serie abstrakter Zeichnungen, die in dieser Form in seinem gesamten Schaffen nicht mehr auftauchen. Im späteren Verlauf widmete er sich vor allem der Collage und Assemblage in Form seiner Merzkunst.
1918 trat Schwitters der Hannoverschen Secession bei. Dort lernte er die Künstlerin Käte Steinitz (1889-1975) kennen, mit der eine lebenslange Freundschaft entstand. Zusammen mit Albert Bloch (1882-1961), Emmy Klinker (1891-1969) und Elisabeth Niemann stellte er im gleichen Jahr in Herwart Waldens (1878-1941) Galerie „Der Sturm“ in Berlin aus. Über diesen Kontakt lernte er die Dada-Künstler Hans Arp (1886-1966), Raoul Hausmann (1886-1971) und Hannah Höch (1889-1978) kennen und befreundete sich mit diesen.
1919 war für den Künstler ein ausschlaggebendes Jahr: Er entdeckte den Begriff des „Merz“ für sich, das er aus dem Wort „Kommerz“ in einer Collage ableitete und mit dem er eine neue Art der Kunst verband. Sein gesamtes weiteres künstlerisches Schaffen richtete er nun nach diesem Begriff aus. Er selbst und sein Leben wurden für ihn zu einem Gesamtkunstwerk und Gesamtweltbild. Der Künstler sollte sein Leben der Kunst widmen und Kunst und Nichtkunst in seinem Werk vereinen. Die Grenzen zwischen der Kunst und dem alltäglichen Leben sollten aufgehoben werden. Ab 1923 begann er diese neue Kunstanschauung in seinem „Merzbau“ umzusetzen. Dafür begann er die Räumlichkeiten seines Elternhauses in Hannover, begonnen bei seinem Atelierraum, zu räumlichen Collagen umzugestalten, die sich nicht nur auf einen Raum begrenzen ließen, sondern durch Raumdurchbrüche 8 Räume des Hauses einnahmen und durchwucherten. 1943 wurde dieser Bau durch einen Bombenangriff auf Hannover zerstört. Seine Ansicht der Kunst veröffentlichte der Künstler in mehreren „Merzschriften“,Vorträgen, die er Deutschlandweit hielt und einer Wanderausstellung ab 1927.

1919 trat er der IVEKF, der „Internationalen Vereinigung von Expressionisten, Kubisten und Futuristen“ unter Walden und Rudolf Blümner (1873-1945) bei.
Im Jahr darauf besuchte er die Dada-Messe in der Berliner Kunsthandlung Dr. Otto Burchard.
Außerdem bestückte er gemeinsam mit Oskar Schlemmer (1888-1943) und Willi Baumeister (1889-1955) eine Ausstellung in der Galerie Arnold in Dresden.
1922/23 unterhielt er innerhalb der Wintermonate ein gemeinsames Atelier mit László Moholy-Nagy (1895-1946) in Berlin, das beide Künstler nachhaltig beeinflusste.
1927 gründete Schwitters gemeinsam mit Carl Buchmeister (1890-1964), Rudolf Jahns (1896-1983), Hans Nitzschke (1903-1944) und Friedrich Vordemberge-Gildewart (1897-1981) „die abstrakten hannover“, einer Untergruppe der Berliner Künstlergruppe „Die Abstrakten Internationale Vereinigung der Expressionisten, Futuristen, Kubisten und Konstruktivsten e.V.“.
1929 wurde er von der hannoverschen Stadtverwaltung als Typograf angestellt. Dieses Amt hatte er bis 1934 inne. Außerdem trat er der französischen Gruppe „Cercle et Carré“ bei, der unter anderem Le Corbusier (1887-1965), Piet Mondrian (1872-1944) und Wassily Kandinsky (1866-1944) angehörten.
1932 pachtete er eine Hütte in den norwegischen Fjorden, in der er n ach dem Vorbild seines Merzbaus in Hannover einen neuen Bau begann. Ein weiterer folgte 1947 in Amerika.
1937 wurde er von den Nationalsozialisten als „entartet“ eingestuft.
Bei zahlreichen Reisen nach England wurde er 1940/41 in einem englischen Lager interniert. Nach seiner Entlassung 1941 zog er nach London um und erhielt 1948 schließlich die englische Staatsbürgerschaft.