Walter Bernuth

1902 Elberfeld – 1987 Wuppertal

Sehnsucht

Öl /Platte     75 x 66 cm

Signiert und Datiert. Walter Bernuth 1940

Der Künstler Walter Bernuth gehört zur verlorenen Generation. 1902 geboren , fallen die Anfänge seiner Schaffenszeit in den Zeitraum des Dritten Reiches und des Zweiten Weltkrieges, sodass wenig über den Künstler selbst überliefert ist.

Seine Gemälde dagegen sprechen für sich und sind ein Zeugnis des Künstlers und seiner Zeit. Das Gemälde „Sehnsucht“ ist ein hervorragendes Beispiel für sein Können. Auf den ersten Blick das Porträt einer Dame, bei der man sich fragt wer die dargestellte Person ist, zeigt auf den zweiten Blick eine Geschichte hinter dem Gemälde selbst. Eine Dame, einen Pelz um die Schultern gelegt und eine Perlenkette um den Hals gehängt, blickt den Betrachter aus betrübten, sinnenden Augen an. Ihre Hände hat Bernuth demonstrativ vor ihrem Körper platziert, sodass sie direkt ins Auge springen. Allein durch diese gekonnte Drapierung schafft es Bernuth, dass die Aufmerksamkeit des Betrachters auf das Wesentliche gelenkt wird: ihre Hände. Man blickt direkt auf das Vergissmeinnicht in ihrer Rechten. Sie scheint auf jemanden zu warten und eine Botschaft übermitteln zu wollen. Bernuths kleine Hinweise in diesem Bild lenken nicht nur den Blick des Betrachters, sondern auch seine Gedanken. Man bekommt das Gefühl, dass der Maler ein generelles Bild seiner Zeit schafft. 1940, Anfang des Zweiten Weltkrieg, steht diese Dame für die Mehrheit der weiblichen Bevölkerung, die auf die Rückkehr ihrer Männer warten, sich nach ihnen sehnen, sie an sich erinnern wollen und sie daran erinnern wollen, dass jemand auf sie zuhause wartet, dass es auch ein Leben nach dem Krieg geben wird. Oder möchte die porträtierte Dame doch eine Botschaft an Jemand bestimmtes schicken? Kam die Botschaft an? Wurde sie gehört? Bekam sie eine Antwort? Bernuth gelingt es ein Porträt in eine Geschichte zu verwandeln und eine Spannung aufzubauen, die den Betrachter an das Gemälde fesselt, Fragen in ihm aufkommen lässt und es schafft, dass dieses Porträt eine Erinnerung wird. Eine Erinnerung für die Zeit, in der viele Menschen in Vergessenheit geraten und untergegangen sind.