Wilhelm Simmler

1840 Geisenheim – 1923 Berlin

Malkasten-Vorhang

Öl /Leinwand     77 x 84 cm

Signiert und Betitelt. W Simmler Malkasten-Vorhang

„Alle Elemente des geselligen Vergnügens in sich vereinigend, ist dieser Künstlerclub unstreitig einzig in seiner Art.“
1848 wird der Künstlerverein Malkasten in Düsseldorf gegründet. Ein Verein, in dem jeder bildende Künstler Düsseldorfs Mitglied werden konnte. Von Beginn an gehören künstlerische Vorführungen jeglicher Art zum Grundprogramm. Für diese Aufführungen und geselligen Treffen bezog der Verein 1867 ein eigenes Haus - heute übrigens noch an der gleichen Adresse zu finden - in der Jacobistraße in Düsseldorf. Dort wurde extra ein eigener Aufführungsraum mit großer Bühne eingerichtet, sodass die künstlerischen Vorstellungen nicht mehr auf verschiedenen Wanderbühnen aufgeführt werden mussten, sondern direkt vor Ort ausgerichtet werden konnten.

„…bis an die Decke des Zimmers war stets das Zuschauerpublikum aufgehäuft und unablässig wiederhallte es drinnen vom lautesten Lachen.“
Geselligkeit und künstlerischer Austausch waren für den Verein sehr wichtig. Dementsprechend zählten viele bekannte Künstler der Düsseldorfer Malerschule zu seinen Mitgliedern. Neben Theodor Hildebrandt, Heinrich Mücke und Johann Peter Hasenclever, die auch zu dein 112 Gründungsmitgliedern des Vereins zählen, gehörte auch der Maler Wilhelm Simmler dazu.
1840 in Geisenheim i. Rheingau geboren, begann er 1859 sein Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie - Dort zählten unter anderem Karl Ferdinand Sohn, Wilhelm Schadow und Eduard Bendemann zu seinen Lehrern. - Nach mehreren Auftragsarbeiten in Hamburg und Berlin, zog er 1891 nach Berlin und trat dort dem Verein Berliner Künstler bei. Er fertigte hauptsächlich Panoramen und Wandbilder.

Also nicht verwunderlich, dass er einen Entwurf für den Vorhang der Vereinseigenen Bühne des Malkastens anfertigte.

Eine Allegorie auf den Verein, so kann Simmlers Gemälde am besten beschrieben werden:
“Ich komme doch durch komm ich doch” das Motto des Malkastens betitelt auf einem Spruchband das Schauspiel das sich dem Betrachter bietet. Jede vertretene Kategorie der bildenden Künste lässt er zwischen anderen Merkmalen des Vereins auf der Bühne des Vorhangs auftreten. Vor feiernden und sich zu prostenden Menschen tummeln sich künstlerisch arbeitende und feiernde Putti. Es wird musiziert, gesungen und getanzt. Ein geselliges Beisammensein, das feucht fröhliche Abende verspricht. Man wird mitgerissen von der aufkommenden Stimmung und kann förmlich die Gespräche und Gesänge der abgebildeten Personen hören; den Lärm und die Musik. Zwischen dem ganzen Trubel stehen ruhig aufragend Germania, das Wappen des Vereins (zwei Bierkrüge und der Hausschlüssel) tragend, und die Muse der Kunst. Sie halten sich an den Händen und schauen sich das ganze Spektakel an. Sie bringen neben dem, hinter ihnen stehenden, ernst blickenden Künstler (Albrecht Dürer, Vereinspatron) Ruhe in das Getümmel. Vielleicht auch etwas Ordnung in das kreative Chaos. Man orientiert sich an ihnen und wird daran erinnert sich das künstlerische Geschehen genau anzugucken und nicht gedankenverloren darin zu versinken. Genauso wirken sie aber auch wie der Ausgangspunkt des ganzen Schauspiels und der Kreativität.

Stellt man sich nun vor Zuschauer einer Vorführung auf der Malkasten Bühne gewesen zu sein und vor Beginn der Aufführung diesen Vorhang zu betrachten, merkt man schnell, dass man schon vor dem eigentlichen Stück eine kleine Theaterinszenierung bekommt, die die Stimmung und Vorfreude anregt und einen einstimmt auf das was kommt; man wird schon vorab mit den Künstlern selber bekannt gemacht.

Simmler gelingt mit diesem Entwurf des Malkasten-Vorhangs eine gelungene Charakterisierung und Vorstellung des Vereins; man wird mit einbezogen und Teil der Feierei. Fast könnte man sagen, dass man den Verein auf die ein oder andere Weise kennen lernt.

Ausgestellt: Museum für Kunst und Technik des 19.Jahrhunderts, Baden-Baden, 30. März - 08.September 2019

Literatur:
Schoren, Sabine: Rollenspiele - Feste des Künstlervereins Malkasten in Düsseldorf; in: Schein oder Sein - Der Bürger auf der Bühne des 19. Jahrhunderts, hg.: Haberland, Irene / Winzen, Matthias; Athena-Verlag, Oberhausen, 2019
Wervik, Adolf: Wilhelm Simmler; in: Thieme-Becker Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, Bd. 31, E.A. Seemann Verlag, Leipzig, 1958